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20. Juni 2020
20:30 – 21:30 Uhr

Gegenwärtige Entwicklungen antifeministischer Bewegungen – Toxische Männlichkeiten auf dem Vormarsch

Vortrag

von Sonja Marzock

Durch die Anonymität im digitalen Raum haben sich seit Anfang der 2010er Jahre Vereinigungen der Neuen Rechten, völkische Gruppierungen sowie frauenhassende Männerrechtsgruppen in Blogs, Foren und Imageboards vernetzt.

Sonja Marzock vermittelt einen Einblick in gegenwärtige Tendenzen und Kontinuitäten einer toxischen ,Manosphere‘ im digitalen Raum, in der sich selbsternannte ,Incels‘, („involuntary celibacy“, also unfreiwillig zölibatär lebend) in Imageboards vernetzen, politisieren und deren Radikalisierung sich schließlich in terroristischen Anschlägen manifestiert. Die Attentäter von Oslo (2011), Christchurch (2019), Halle (2019) und Hanau (2020) vereint nicht nur der Hass auf Frauen. Sie verbreiten in ihren Manifesten und Livestreams antisemitische und misogyne Verschwörungserzählungen, um als „Heilige“ in die Geschichte einzugehen. Doch auch Frauengruppen wie die #tradwife-Bewegung oder Bloggerinnen der Alt-Right-Bewegung vermitteln ein rückschrittliches Gesellschaftsbild, in dem die Frauen freiwillig für „Home and Hearth“ und die Betreuung möglichst vieler weißer Kinder verantwortlich seien. Die Referentin wird auf folgende Fragen eingehen:

Inwieweit spielt der Verlust von Privilegien weißer Männer eine Rolle? Was ist so toxisch an dieser weißen Männlichkeit? Was genau verbindet ,Incels‘ und Anhänger der Alt-Right-Bewegung außer ihrem offensichtlichen Frauenhass? Und warum beteiligen sich Frauen an diesen antifeministischen Kampagnen, bei denen sie nur verlieren können?


Sonja Marzock (M.A. Gender Studies/Sozialwissenschaften)hat in Duisburg und Bochum studiert. Sie arbeitet zu den Themen reproduktive Rechte, Antifeminismus und Rechtsextremismus.